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DA - Echo vom 12. April 2011  | hau

Gemeinsam gegen die Sucht

Begegnungstag: Rund 100 Betroffene kommen zur Veranstaltung der Alkohol- und Suchtselbsthilfe nach Griesheim

GRIESHEIM. 


„Der Alkohol hat mein ganzes Leben zerstört“, seufzte Fritz (58) und nippte an seiner Apfelsaftschorle. Nach dem Verlust von Familie und Wohnung habe er bereits als Vierzigjähriger mit seinem Leben abgeschlossen, erzählte er in Griesheim am Rande des Begegnungstages der Alkohol- und Suchtselbsthilfe (ASS). Er verdanke es einem Freund, dass er neuen Lebensmut geschöpft und sich der ASS Darmstadt angeschlossen habe.
Johannes (32) nickte. „Ich glaube, ohne den Zuspruch meiner Gruppenfreunde wäre ich trotz meines Willens abstinent zu leben, kläglich gescheitert“, vermutete er. Rund 100 Betroffene und Angehörige waren zum ASS-Begegnungstag ins Bürgerhaus Am Kreuz nach Griesheim gekommen. „Wir haben den Begegnungstag ins Leben gerufen, damit sich die Mitglieder der einzelnen Gruppen übergreifend kennen lernen und Erfahrungen austauschen können“, betonte Hajo von Uffel, der neue Vorsitzende der ASS. Als Gemeinschaft von Betroffenen, Angehörigen und Suchtkrankenhelfern biete man Gruppengespräche sowie Einzel- und Familienberatung an und vermittle klinische Entgiftungen sowie professionelle Therapien. Ziel sei es, Kraft, Vertrauen und Zuversicht zu vermitteln.
„Ich habe über den regelmäßigen Besuch der Selbsthilfegruppe zu einer positiven Lebenseinstellung und sogar einen neuen Partner gefunden“, verriet Elisabeth (53), die das Zusammentreffen mit Gleichgesinnten sichtlich genoss.

„Suchtprobleme bedeuten individuelle Tragödien für die Betroffenen und deren Angehörige, zugleich belasten sie aber auch die Gesellschaft als Ganzes“, betonte der Darmstädter Sozialdezernent Jochen Partsch. Deshalb sei das ehrenamtliche Engagement, das aus der eigenen Betroffenheit heraus organisiert werde, ein wesentlicher Bestandteil des Netzwerks Sucht- und Drogenhilfe. Unter dem Motto „Wirksam begegnen“ werde beispielsweise innerhalb des Kommunalen Präventionsrates eine Konzeptentwicklung im Dialog mit allen relevanten Gruppen sicher gestellt.
Auch Staatssekretär Andreas Storm unterstrich die Bedeutung der Selbsthilfegruppen, während Bürgermeisterin Gabriele Winter der ASS weiter Unterstützung zusicherte. Es sei wichtig dafür zu kämpfen, die momentanen Sozialleistungen zu erhalten, meinte sie im Grußwort.
Über den „Mythos der Suchtmittel“ referierte Peter Beck, Diplom-Psychiater und ärztlicher Leiter der Fachklinik Burgwald. Mit sachlich fundierten Aussagen widerlegte er Aussagen „Rauchen macht schlank“, „Alkohol hilft beim Einschlafen“ oder „Ein Schnaps hilft bei der Verdauung“. Im Zusammenhang mit Suchtmitteln helfe es, sich ehrlich die Fragen „Wie oft? Wie viel? Wie oft zuviel?“ zu beantworten. Um festzustellen, wo man stehe. Ob man im gefährdeten Bereich liege, sei die Frage „Schaffe ich es ohne?“ die wichtigste.
Franz (48) war zufrieden. „Ich habe heute wichtige Erkenntnisse gewonnen“, meinte er. Für Herbert Everts, Gründungsmitglied und vieljähriger Vorsitzende des ASS, hatte Hajo von Uffel mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden eine Überraschung parat. Verabschiedet wurde auch Schriftführerin Rosemarie Pollack

 

Die Bilder wurden uns freundlicherweise von Frau Birgit Schweikert-Hirsch zu Verfügung gestellt.

Alkohol- und Sucht- Selbsthilfe e.V., im DRK Haus, Mornewegstr. 15, 64293 Darmstadt
Mitglied im Diakonischen Werk Hessen und Nassau